50ies Vibe mit Pom-Pom-Bluse und Bleistiftrock

Diese Outfit mag vielleicht nicht so nach 60er ausschauen, doch die für diese Zeit berühmt gewordene Mode mit Minirock, kurzen A-Linienkleidern und von der Raumfahrt inspirierten Modellen waren nicht Punkt 1.1.1960 modern. Davor war noch ein paar Jahre ein Übergangsphase von der 50er Mode in die Mode der 60er.

Bisher haben  mich noch nicht sonderlich viele Modelle aus meinen nicht unbeträchtlichen PRAMO Stapel angesprochen – PRAMO ist die Abkürzung für „Praktische Mode“, eine Nähzeitschrift aus der DDR. Das mag vielleicht am Styling und den Photos liegen. Die Pom-Pom-Bluse fiel mir jedoch sofort ins Auge und ich wusste: die muss ich nähen.

Bluse Pramo mit Posamentborte

Leider gibt es die Posamentborte – so heißen die Pom-Poms eigentlich – nur in einigen wenigen Grundtönen, so entschied ich mich wie beim Original die Bluse in weiß zu nähen. Reinweiß ist normalerweise nicht so mein Fall, aber ich denke die Bluse schaut in weiß einfach am besten aus.

Der Grundschnitt für die Bluse ist schlicht. Das Vorderteil besteht aus zwei Teilen, auf das Obere werden zuerst die Pom-Poms angenäht, erst dann wird es  mit dem Unterteil verbunden. Die Pom Pom anzunähen war nicht einmal so aufwändig, wie man vielleicht glauben mag. Bevor ich mit dem Annähen anfing, habe ich mir einfach mit einem Lineal die Linien in einem gleichmässigen Abstand mit einem ausbügelbaren Stift gezogen. Danach musste ich beim Nähen nur mehr die Borte schön auf die Linien legen. Leider zieht die Borte den Stoff etwas zusammen, doch das fällt nicht weiter auf, sind ja die Pom-Pom darüber. Danach habe ich hinten ziemlich radikal freistil den Schlitz genäht – ich weiß nicht einmal, ob dieser auch hunderprozentig symetrisch ist. Seitlich ist die Bluse etwas enger und taillierter geworden.

Die Ärmel waren  im Originalschnitt mit einem extrem, dem damaligen Stil entsprechenden, engen Armloch versehen – wir haben das etwas erweitert, trotzdem war das Einsetzen mühsam. Durch die Borte und Pom-Poms ist man auch immer wieder leicht von der Nahtlinie gerutscht. Um den Ausschnitt kam ein weisses Schrägband. Kritische Meinung der Nähkursleiterin: eines aus dem gleichen Stoff zu schneiden wäre schöner gewesen (aber auch mehr Aufwand). Damit die Pom Poms die Ärmelsäume nicht zusammenziehen, sind die Borten vorher mithilfe des Bügeleisen gedämpft und „auseinandergezogen“ worden.

Zum Schluss noch der letzte Saum – und ich war sehr glücklich endlich wieder einmal etwas fertig genäht zu haben. Den ganzen Mai hindurch habe ich mich bemüht nur Sachen fertig zu stellen (und nicht schon wieder etwas neu anzufangen, so verlockend es auch sein mag). Bis auf ein Kleidungsstück ist mir das auch gelungen.

Und dieses Kleidungsstück ist der Rock, der hier auf den Fotos zu sehen ist. Basis für den Rock war ein selbstkontruiertes Grundschnittmuster nach dem Schweizer Schnittsystem für einen geraden Rock. Am Schnitt habe ich nichts geändert, ich habe dann direkt beim Nähen die Seitennähte schrittweise auf Figur gearbeitet. Denn ich wollte einen sehr enganliegenden, über das Knie reichenden Rock in Schwarz mit einem Schlitz. Nur dass der Schlitz leider etwas zu kurz geworden ist.

Allgemein kann man mit diesem  Rock nur mit kurzen Schritten trippeln, was für mich total ungewohnt ist. Damit der Rock nicht nur für eine Schneiderpuppe geeignet ist und ich mich besser bewegen kann, habe ich dafür schwarzen Jeansstoff mit einem 5 % Elasthan Anteil gekauft. Diesem Jeansstoff ist nun die glorreich Ehre zuteil geworden einer meiner neuentdeckten Lieblingsstoffe zu werden. Der Stoff hat genügend Elastizität – ohne sich endlos zu dehnen -, gleichzeitig hat er eine schöne Festigkeit, die es nicht notwendig macht den Rock zu füttern (um zu verhindern, dass sich unerwünscht Unterkleidung abzeichnet oder abformt).

Bluse Pramo mit Posamentborte und Bleistiftrock

Als ich mit dem Lesen von Blogs anfing, war ich immer sehr amüsiert und fasziniert wenn eine Näherin schrieb, dass sie etwas für einen am selben Tag stattfindenden Anlass nähte und unter Zeitdruck geriet oder auch nicht. Mein bisheriger Rekord war ja mein rotes Kleid in einer Woche zu nähen. Mit diesen Bleistiftrock habe ich allerdings einen neuen Zeitrekord aufgestellt, denn diesen habe ich in zwei Stunden genäht. Ich brauchte einen passenden Rock für ein bereits fertig genähtes rotes Vintage-Top für eine Electro-Swing-Party im 50er Jahre Stil. Aber ich hatte keine passenden Hosen oder Röcke zuhause. Der zum Top passende Rock war noch in Arbeit.

Ein Bleistiftrock erschien mir schnell genäht und mit einem eher geringen Stoffverbrauch. Allerdings muss ich sagen, dass ich nicht so ordentlich arbeiten konnte wie ohne Zeitdruck. Besonders beim Auftrennen habe ich Abstriche gemacht. Durch das Abschneiden falscher/neu angepasster Nähte ist die Nahtzugabe etwas knapp geworden und die Overlocknähte sind gelinde gesagt sehr ungleichmässig geworden. Unpassenderweise war von der Pom-Pom Bluse noch weiß eingefädelt. Aber was soll’s, die Innenverarbeitung sehe nur ich. Als Verschluss wollte ich Anfangs seitlich einen „invisible Zipp“ einnähen, war mit jedoch nicht sicher ob das so schön werden würde. So bekam der Rock einen ganz ordinären verdeckt eingenähten Reißverschluss.

Und zum Abschluss kann ich nur sagen: Jeans blutet enorm aus, das Wasser im Waschbecken war tiefschwarz und feucht bzw noch sehr nasse Stoffe sind ein Graus zum Vernähen. … Habt ihr eigentlich auch schon mal so ganz spontan entschieden, dass es doch lässig wäre für das Fest in zwei Stunden noch schnell ein neues Outfit zu nähen?


Und mit der Bluse habe ich ein weiteres Modell für die #VintagePledge2017 und ein Schnitt aus einer PRAMO ist auch genäht. Eine vom Stil ganz andere Bluse finde ich in dem Heft auch noch ganz bezaubernd. Aber zuerst habe ich noch ein paar Modelle zum fertig nähen.

Ein herzlicher Dank geht an Dani von Fotospuren und Marco von Mr-Foto vom Fototeam Luzern für das fabelhafte Fotoshooting, das richtig Spaß gemacht hat. Ich freue mich schon auf das nächste Shooting und die daraus resultierenden tollen Fotos.

Verlinkt zum MeMadeMittwoch und zu Tweed&Greet  für #12ColoursOfHandmade Fashion mit der Farbe Weiß im Mai.


Fazit: Weniger Aufwand bei der Bluse als man denkt, wenn man die ganzen Pom-Poms sieht. Und zum Rock: Mit etwas mehr Zeit hätte ich vermutlich ein wenig ordentlicher gearbeitet.

Schnitt: Bluse: Pramo Sonderheft Spezial: Kombinationen, Ensembles, Blusen, Kleiderröcke aus den 60ern; Rock: Selbstkontruiert nach dem Schweizer Schnittsystem

Änderungen: Ein bisschen die Silhouette an Bluse und Rock, aber nichts Wesentliches

Material: weißer Standard-Batist, Posamentbort 6m, schwarzer Jeanstoff mit 5 % Elasthan

Bluse Pramo mit Posamentborte

 

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52 Gedanken zu “50ies Vibe mit Pom-Pom-Bluse und Bleistiftrock

  1. Ein super chices Outfit hast Du Dir da genäht! Die Pompom-Bluse könnte ich mir auch sehr gut in schwarz vorstellen, wobei die Bommeln dabei vielleicht zu sehr untergehen, ich weiß nicht. Auf jeden Fall würde ich Deine Kombi sofort anziehen! Was das atok-Nähen angeht, kann ich hier nicht mithalten. Von Versuchen dieser Art hat mich bis dato mein Gatte abgehalten, was dem Stresslevel sicherlich gut getan hat 😉
    Liebe Grüße, Frieda (heut auch im Bleistiftrock 🙂

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    1. Dankeschön.
      Bin auch schwer verliebt in Bluse und Rock. Deinen Bleistiftrock hab ich heute schon bewundert. Schwarz ginge sicher auch, man könnte auch die Bommel in weiß machen, dann fallen sie auf jeden Fall auf.
      Wer ohne Deadline Nähzeitschriften, näht definitv entspannter und schöner.
      Lg Sabine

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  2. RASANT!!!!!!!!!!!! Das ist einfach der Koffer schlechtdhin! So ein klasse Outfit! Schöner, kurviger Bleibstiftrock – in Kombi mit dieser genialen Pompom-Bluse. Ich bin hin und weg!
    liebe Grüße von Ellen

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  3. Da hast Du einen guten Blick für Schnittmusterschätze in der pramo. Deine Auswahl und Kombination ist wirklich zeitlos. Bestimmt wird der Rock mit Gebrauchsbleichstellen noch schöner. Die Bluse kann mit anderen Stoffmanipulationen oder Materialmix vielfältig geändert werden. Tolle Fotos.
    Übrigens sammle ich pramo und andere historische Handarbeitsliteratur

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  4. Ohhhhh *____* ich kann nicht aufhören darauf zu starren. Ich will dieses Shirt haben!!!
    Das mit den Pompoms werde ich mir definitiv merken, auch das Detail am Rücken ist wahnsinnig toll.
    Der Rock ist auch sehr sehr schön gelungen, der gehört aber für mich -genau so wie höhere Absätze- zur hübschen, aber unpraktischen Garderobe. Ich komm ja ohnehin immer zu spät, nicht auszudenken welche Verzögerung durch Trippelschritte zustände käme 😀 Irgendwann klaue ich aber einfach deine Garderobe, wenn du im Urlaub bist. Das ist beschlossene Sache. 😀

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    1. 😊
      Das Shirt gebe ich leider nicht her, kann aber leicht mit einem anderen Schnitt nachgearbeitet werden.
      Da ich für die Arbeit Werkstattkleidung hab ziehe ich die hübschen und unpraktischeren Sachen nur an wenn ich Zeit habe und keinen Stress irgendwo pünktlich sein zu müssen. (Renne dann trotzdem unelegant zum Bus weil ich zu spät dran bin)
      Aber beim Gaderobenklau bin ich ganz schwer dagegen, was soll ich dann anziehen😀😉?

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    1. Was für ein Zufall, bei den meisten Modellen gefallen mir die Fotos so gar nicht, auch wenn es schöne Schnitte wären. Aber bei diesen Modell war sofort der Wunsch da die Bluse nachzunähen.
      Lg Sabine

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  5. Mehr Frau geht nicht! Sehr sexy!
    Tolle Fotos…so macht Bloglesen Spaß!

    Hast Du schon Erfahrungswerte, wie die Posamentborte nach mehrmaligen Waschen aussieht? Auf alle Fälle eine tolle Inspiration, die sicherlich gut nachzuarbeiten ist.
    Danke fürs Zeigen
    LG Uta

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    1. Dankeschön, zaubert mir gleich ein Lächeln ins Gesicht.
      Gewaschen hab ich die Borte noch nicht. Ich hoffe/gehe davon aus das die Pom-Poms so bleiben wie sie sind.
      Und freut mich wenn ich inspirieren kann.
      Lg Sabine

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  6. Grandioses Outfit! Ich glaube, das letzte Mal, habe ich in meiner Kindheit Pom Poms bewusst wahrgenommen … Und auch ein schöner Post, den ich mit dem Verweis auf die Pramo und dem Schweizer Schnittsystem sehr inspirierend fand. LG, Manuela

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  7. Wow, ein richtiger Hingucker dein Outfit! Die Bluse gefällt mir richtig gut und ich mag es, wie du sie umgesetzt hast, würde ich genau so nehmen! 😉 Dein Rock ist der Wahnsinn und harmoniert so schön mit der Bluse und dann noch der Blitzerfolg beim Nähen, einfach eine runde Sache! Muss mich gleich mal auf deinem Blog umschauen, was es hier noch so zu bestaunen gibt!
    Liebe Grüße
    Stephie

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    1. Dankeschön.
      Ich inspiriere dich gerne zu deiner eigenen Version. Das der Rock so gut passt hat sich ja eher zufällig ergeben, aber jetzt sind der Rock und Bluse ein perfektes Duo was will man mehr. Dann noch viel Spaß beim Stöbern auf dem Blog.
      Lg Sabine

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  8. Whoohoo! Sehr sehr cooles Outfit! Die Idee mit den Borten finde ich total klasse! Ich bin übrigens auch Meisterin im Turbonähen von Klamotten kurz bevor ein Event ansteht:-) Wünsche dir noch einen wunderbaren Sommertag! Liebste Grüße, Selmin

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    1. Dankeschön.
      Na dann überlasse ich dir gerne die Krone der Turbonäherin.
      Ich wünsche dir auch noch ein sonniges Wochenende. Ich kann mich über das fabelhafte Wetter in Kombination mit einem sehr interessanten Stickkurs (viel cooler als es sich jetzt anhört) nicht beklagen.
      Lg Sabine

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  9. was für eine süüße Bluse 🙂 gefällt mir meega gut und die Idee so viele PomPoms aneinander zu reihen werde ich mir auf jedenfall merken 🙂 echt total toll 🙂
    Liebe Grüße, Noreen von fadenmaer

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  10. Wow. Du siehst so toll aus! Einfach mega 🙂 Sehr gelungen die Kombination. Das mit den Posamenten muss ich mir mal merken – wie viele andere Ideen auch 😉 – denn es sieht einfach klasse aus. Gefällt mir richtig gut dein Outfit.
    Grüssle. Birgit

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  11. Was für ein Auftritt mit diesem Outfit! Super – harmonisch aufeinander abgestimmt.
    Der Rock perfekt auf die Kurven angepasst. Wirklich eine Wohltat fürs Auge – selten so ein schönes passendes Outfit gesehen. LG Anita

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  12. Tolles Outfit! Aber am meisten geflasht hat mich die Bluse. Eigentlich ein einfacher Schnitt der mit der Pompom-Idee so raffiniert wirkt. Gefällt mir wirklich sehr gut!

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