Schlichter Schnitt & Wildes Muster – Mein erstes 60er-Kleid

Pramo 60 Kleid 10

Die Idee zu diesem Kleid schwirrte mir schon länger durch den Kopf. Meine Mama hatte diesen einen Stoff – zusammen mit vielen anderen – auf dem Nachtmarkt in Winterthur beim Stand von Karlotta Pink gekauft (leider nicht so spannend der Markt, aber wir waren ja auch nur wegen Karlotta Pink dort) und eben diesen einen Stoff habe ich ihr gleich mal abgeluchst. Ein Grund warum es dauerte bis dieses Kleid entstand ist, dass der Stoff durch seine Art der Bedruckung einen ganz speziellen Geruch hat. Manche lieben diesen Geruch nach Wachs, andere – wie ich – mögen ihn gar nicht. Darum wurde der Stoff und Schnitt in die Abteilung „nähe ich vielleicht irgendwann mal oder auch nie“ verlegt.

 

Allerdings kam dann die Kooperation mit Karlotta Pink zustande und mir fiel ein, dass ich da ja noch einen Plan für ein Kleid hatte. Und mittlerweile ist der typische Shweshwe Geruch auch verflogen. Was mir nach einen Tag tragen noch aufgefallen ist, dass der Stoff zwar eine schöne Festigkeit hat, aber so gar nicht knittert. 

Dafür ist der Schnitt, den ich schon abgepaust hatte, irgendwo in den Untiefen von Mama’s Nähzimmer verschollen. (kleines Motivationstief)

Da ich allerdings schon sehr konkrete Vorstellungen hatte wie das Kleid aussehen sollte, wollte ich da nicht eine ganz neue Richtung einschlagen. Und zuviele Abnäher sollten es auch nicht sein – da wäre es ja schade ums Muster. Glücklichweise habe ich einen anderen Schnitt in einer Pramo gefunden, der zu 95% meinen Vorstellungen enstprach. Das Weglassen der Ärmel und Hinzufügen des Kragen waren die letzten 5% an nötigen Veränderungen.

 

Mit dem Zuschnitt kam ich dann so mit Ach und Krach hin. Denn es waren nur ca. 2 Meter mit halber Stoffbreite und einem doch sehr prägnanten Muster, das man nicht total außer Acht lassen kann. Ganz perfekt ist die Platzierung des Musters am Ende nicht geworden, denn – so musste ich feststellen – das Muster ist nicht 100% gleichmässig. Besonders am Rücken hätte ich sooooo gerne das Muster perfekt weiterlaufen lassen…

Das Schnittmuster aus einer Pramo aus Mai 1968 war zwar nicht für Langgrößen ausgelegt, allerdings konnte ich am Saum doch 15 cm wegnehmen, sodass es wie beim Originalbild über den Knien endet. Oben konnte ich das Kleid auch etwa um 2 cm bei den Schultern kürzen. Die Abnäher musste ich leider zweimal neu machen: Einmal verlängern und dann einmal ganz neu – Anprobe mit oder BH wirkt sich aus… Und bei diesem Kleid gibt es nur wenige BH’s, die man aufgrund des Ausschnittes vernünftig drunter tragen kann, ohne dass etwas hervorblitzt. Unbedingt notwendig ist es bei mir nicht einen BH zu tragen und wenn es so richtig heiß ist (dafür ist das Kleid ja auch geplant) ist es ohne viel angenehmer ohne.

 

Im Rücken gibts einen nahtverdeckten Reissverschluss zum Schließen, der mir meines Erachtens sehr gelungen ist (und das nur mit einem normalen Füßchen!), und für den Kragen zwei Druckknöpfe. Diese habe ich ausnahmsweise mal sehr ordentlich angenäht – des öfteren nähe ich diese etwas brachial… Für den Tragekomfort ist das Kleid komplett gefüttert und weil ich so ein fauler Mensch bin und keine Lust auf endeln hatte, ist das Kleid wie eine Jacke eingefüttert. Nicht ganz korrekt, aber alle Nähte sind schön wegverpackt – was will man mehr.

Kleid Detail

Den Kragen habe ich mithilfe meiner Mutter neu dazugemacht. Konstruiert kann man gar nicht sagen. Denn meine Mama hat einfach (Routine im Freistilnähen) aus einem Reststoff so zirka die Kragenform ausgeschnitten und dann direkt an mir noch verfeinert.

Für etwas Stabilität ist der Kragen mit Vlieseline verstärkt und dann auf das Kleid aufgenäht. Das Kleid oben ist innen einfach mit Schrägband versäubert worden und mit der Hand zur Stabilisierung am Kragen befestigt. Tja und dann noch das Futter händisch am Reißverschluss schließen, bügeln und fertig. Ganz so einfach wars nicht, denn nach der ersten Anprobe brauchte ich dringend eine Pause, und eine nach dem Einsetzen des Futters und eine nach dem Reißverschluss – schließlich mache ich gerade Urlaub in der Heimat. Der Kragen entstand in einem neuen Anlauf und letztendlich noch einmal die Abnäher (ganz schrecklich) und das letze Versäubern. So gegen Schluss ist Nähen so gar nicht Yoga, vor allem wenn es mal wo nicht so rund läuft.

 

Was für mich richtig ungewohnt war, ist die Silhouette. Jeder der Vintage näht, fängt meist an mit klassischen 50er Jahre Kleidern. Oben eng und unten weit mit viel Füllte und eventuell einem Petticoat. So muss ich ehrlich sagen, beim ersten Anprobieren war es schräg. Wo ist die Taille?! Meine Figur ist komplette futsch (gefühlsmäßig). Dafür sind die Schnitte super simple, sehr schnell genäht, im Handumdrehen angepasst und herrlich entspannt gemütlich. Für mich aber eindeutig eine Umstellung. Allerdings haben die Kleider was und so wird vermutlich noch das eine oder andere 60s Kleid enstehen. An Schnitten sollte es nicht mangeln.

Pramo 60 Kleid 20 (2)

Und somit ist auch mein Beitrag für 12 Colours of Handmade Fashion für die Farbe Rot fertig, wie üblich etwas verspätet. Aber für mich war ja Rot als Farbe die Näherleuchtung, denn vor dem Nähen gab’s die Farbe nicht in meinem Kleiderschrank und mittlerweile ist Rot einer meiner Lieblinge geworden.

Mit diesen Schnitt habe ich auch ein weiteres Kleid für die #VintagePledge2017 geschafft. Vielleicht schaffe ich ja die geplanten 12 Modelle, wenn auch nicht aus 12 verschiedenen Heften…

Verlinkt zu Rums.


Fazit: Ungewohnte Optik (Taille „futsch“), aber sehr schnell genäht bei entsprechender Motivation. Da wird vielleicht noch was folgen, mal schauen was der Stoffschrank noch so an brauchbaren Stoffen beherbergt.

Schnitt: Pramo 05/1968

Änderungen: Kürzen und zwar ordentlich, an der Oberweite enger.

Zeit: über den Verlauf von 4 Tagen

Material: Shweshwe von Karlotta Pink (genau denn gleichen Stoff habe ich nicht mehr im Online Shop gefunden, es gibt ihn aber auch noch in türkis und pink oder andere spektakuläre Muster und Farben), Futter aus Mamas Archiv

 

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18 Gedanken zu “Schlichter Schnitt & Wildes Muster – Mein erstes 60er-Kleid

  1. Das finde ich ganz toll! Super mit der Telefon-Handtasche, ich liebe solche Details. Ich sammel ja auch alte Schnittmusterhefte und steh auf die 60er, aber genäht hab ich noch nicht daraus. Bisher jedenfalls, aber wenn ich das hier so sehe…

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  2. Beeindruckende Sammlung an Vintage-Schnittmusterzeitschriften, die Du hast! Tolles Sommerkleid! Ich mag aber die A-Linien-Kleider der 60er auch ganz gerne, die zwar nicht die Taille, dafür die Beine in Szene setzen. LG, Manuela

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    1. Dankeschön
      Ja öhm ich hab da ganz exzessiv schnittmuster gekauft.
      Das da die Beine in Szene gesetzt werden da habe ich noch gar nicht so darüber nachgedacht. Und man ganz entspannt noch ein Dessert futtern und man sieht’s nicht.
      Lg Sabine

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  3. Das ist ja toll! Die Ausschnittlösung gefällt mir total gut. In Kombination mit der Minilänge sieht die A-Linie richtig super aus – da braucht man gar keine Taillierung.. Und der Stoff passt perfekt dazu!

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    1. Dankeschön. Ich wollte unbedingt diese Art von Ausschnitt, den finde ich einfach toll.
      Mini würde ich jetzt nicht sagen, das ja knapp über dem Knie endet und nicht knapp unter dem Po. 😉.
      Lg Sabine

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  4. wunderschön! wunderschön! dir steht auch wirklich alles. du kannst jede epoche an dir tragen!
    wo sind bloss meine 20?:-) was hätte ich alles noch tragen können..
    super elegantes und chices kleid!

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