Ein Lieblingskleid nachgenäht

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Vor meiner Nähzeit hatte ich einen zweiwöchigen Sprachaufenthalt in London und habe hingebungsvoll in die Bekleidungsindustrie und Buchhandlungen investiert. (Natürlich musste für die ganze Kleidung noch ein zweiter Koffer angeschafft werden. Heute würde ich vermutlich die ganzen Stoffgeschäft plündern und aus Platzmangel Stoffpakete heimschicken müssen.) Eines meiner damals in London gekauften Kleider wurde rasch zu meinen neuen Lieblingskleid, besonders weil es so einen schicken Rückenauschnitt hat. So liegt es doch nahe – nachdem ich nun nähe – nach diesem Kleid ein neues Kleid nachzunähen. (Ein zweites ähnliches und ebenfalls sehr süßes Kleid mit ein paar veränderten Auschnittdetails, dass kaufte ich auch, landete aufgrund mangelnder Erwärmung für blaue Blümchen bei meiner Schwester.)

Bevor I started sewing I visited London for 2 weeks for a language course. I spent a lot of money on fashion und books. (Of course I had to buy a second suitcase for the clothes. Now I would invest my money in fabrics and would have to send home packages.) Anyway, I bought one of my favourite dresses in London. The main reason is the deep neckline in the back. Love that. So, why not sew a dress after my bought favourite dress?

Schnitt & Stoff

Um an den Schnitt dieses Kleides zu gelangen, habe ich diverse Kopiertechniken verwendet. Das Vorderteil habe ich durch das Abkleben mit Kreppband abgenommen. Das Rückenteil erhielt ich durch Durchstechen auf Papier, das auf einem weichen Teppich liegt. Rock und Bund habe ich nur vermessen. Beim Abnehmen des Schnittes musste ich feststellen, wie unsymmetrisch das ganze Kleid ist, die Bundbreite schwankte, die Seitenteile waren unterschiedlich geformt und nicht gleich breit und von der Faltentiefe will ich mal gar nicht reden. Kurz gesagt, das ganze Kleid ist extrem asymmetrisch, wundersamerweise ist die Passform trotzdem super und man sieht es auch nicht. (Außer man sucht danach. Das große Blütenmuster hilft auch die Asymmetrie zu verdecken.) Damit mein Kleid nicht auch so asymmetrisch wird habe ich die Schnitteile angeglichen und viel vermessen, nicht das am Ende das Oberteil 5 cm mehr hatte als das Unterteil.

To get the pattern from the dress, I used several methods. For the front bodice I taped the pattern pieces. I got the back pattern pieve by pinning around the flat fabric onto paper on a soft surface. And the skirt was copied with measuring. During copying the pattern, I realies how irregular the dress is, but it still looks and fits great. Because I didn’t plan to sew an asymmetric dress I balanced the pattern pieces.

Regardless of the original, I did not want to copy the dress complete. The back neckline should still remain the highlight of the pattern, but different. I played a bit around till I decided what would be the best back neckline.

Hier wären noch Modellskizzen geplant, nur haben diese nicht mehr reingeschafft (werden heute Abend noch nachgebracht)

Ganz gleich wie das Original wollte ich das Kleid allerdings nicht nähen. Der Rückenauschnitt sollte zwar weiterhin das Highlight des Schnittes bleiben, allerdings in veränderter Form. Ich tüftele lange hin und her, was am Ende am hübschesten sein würde, bis ich mich für die endgültige Form entschied.

Lieblingskleid nachnähen

Die nächste große Herausforderung war die Wahl des Stoffes. Mein Plan war wie beim Originalkleid ein großflächiger Blütendruck. Voller Elan und Motivation geld auszugeben marschierte ich ins Stoffgeschäft und fand nichts. Demotiviert bin ich also heimgezockelt und war frustiert. (Schöne UND großflächige Musterstoff sind noch immer schwer zu finden.) Glücklichweise hatte ich dann die Idee dazu, Unistoffe zu kombinieren. Inspiriert wurde ich von dabei von meiner Zimmerpflanze mit ihren grünen Blättern und rot-violetten Rändern. Also fand ein zweiter Tripp ins Stoffgeschäft statt und dieses Mal wurde ich fündig. Grüne Popeline für den Rock, sowie roten und violetten matten Baumwollsatin für das Oberteil. Eigentlich wollte ich das Grün mehr Richtung limettengrün, jetzt bin ich allerdings froh um das dunklere Grün, denn ich denke andernfalls wäre das helle grün etwas erschlagen worden.

The next big challenge was the fabric. My plan was to stick closely to the original dress with a large flower print. Full of energy and motivation to spend some money I marched into the fabric shop and found …  nothing. That was really demotivating and frustrating. (Beautiful large print fabrics are still difficult to find.) Fortunately, I then had the idea to combine monochrome fabrics. I was inspiered by my plant with its green leaves and red-violet edges. So a second trip into the fabric shop happened and this time I found fabric. Green poplin for the skirt and red and violet matte cotton satin for the top. Actually, I wanted the green in more of a lime green shade, but now I am glad that I bought the darker green, because I think otherwise the lime green would have been overpowered.

Inspiration
Die Inspiration
Stoffauswahl
Die endgültige Stoffauswahl

Schnitt und Stoff hatte ich, also konnte ich endlich mit dem Zuschneiden und Nähen anfangen. Dazu kann ich jetzt gar nicht so viel erzählen, weil ich keine wesentlichen Probleme hatte. Einzige nenneswerte Anekdote: Meine Nähkursleiterin dachte, dass mein tiefer Rückenauschnitt vorne ist und ich einen Bauchnabeltiefes Dekollete plane. Nun ich denke es wäre aufgrund meiner kleinen Oberweite machbar, bisher habe ich das Kleid aber noch nicht verkehrt herum angezogen um zu schauen, ob es tatsächlich funktieren würde.

I had pattern and fabric, so I could finally started cutting and sewing. There is not much to tell about the sewing. Only noteworthy anecdote: My sewing headmistress thought that my deep back neckline is in front and that I plan a belly nabeltown neckline. Well, I think it would be possible because of my small boobs, but so far I have not tried on the dress twisted around.

Nähfuss mit Kantenlineal
Drama-Foto des Nähfüsschen mit dem sehr hilfreichen Kantenlineal

Der Nähprozess

Das Oberteil habe ich gefüttert, der Rock blieb unfüttert. Damit nichts ausleiert, habe ich den Ausschnitt mit Nahtband verstärkt. Die Wiener Nähten gelangen beim ersten Versuch nicht so wirklich, mit kürzen der Nahtzugabe und genauen Markieren der Nahtlinie, ließ sich dieses Problem aber auch beheben. Das einzige das wirklich verzwickt war, war das Annähen des Futter bei den Armlöchern. Mein Vorgehen war, Futteroberteil und normales Oberteil komplett fertig zusammennähen: Also am Ausschnitt zusammennähen und absteppen. Und dann kam das Gefummel an den Armlöcher. Dies hieß zuerst von außen zusammenstecken, umdrehen nach innen und zurechtziehen vom Stoff. Dass meine Träger sehr schmall ausfielen war auch nicht sonderlich hilfreich. Nach vielem Fluchen und ein paar gemogelten Handstichen kamen beide Stoffe doch noch perfekt zusammen.

The top is lined, the skirt not. For the neckline I used seam tape. The princeas seams did not work out at the first attempt, but with shortening of the seam allowance and accurate marking of the seam lines, this problem could be solved. The only thing that was really tricky, was the sewing of the lining at the armholes. My approach was to sew the lining and the normal fabric tops completely seperatelly. Then to sew together the neckline. And then came the fiddling at the armholes. First I pinned them together from the outside, turned them inward and pinned again. Then I try to sew. That my carrier were very narrow, was not particularly helpful either. After a lot of swearing and a few handstichtes both fabrics came together.

Am Rock hinten habe ich einen nahtverdeckten Reissverschluss eingenäht, schön verarbeitet aber leicht sichtbar. Ursprünglich war geplant, dass die Rückenteile in der Mitte genau aufeinandertreffen, allerdings säße dann das Kleid um die Taille unschön eng, so gibt es einen kleinen Spalt. An der Passform gab es nur wenige Änderungen bzw. nur minimale Verbesserungen der Form der Wiener Nähte. Die Seitennaht wurde auch etwas enger, sonst verändert sich nichts, dass war ja auch irgendwie zu erwarten nachdem, dass Originalkleid schon so gut saß und dieses auch einen Stoff hat der nicht ausleiert oder die Form verliert.

On the skirt at the back I sewed a invisble zipper, beautifully processed but a bit visible. Originally, it was planned that the back parts meet perfect in the middle, but then the dress would be to tight around the waist, so there is just a small gap.
There were only a few changes to the fit, or only minimal improvements in the shape of the princes seams. The side seam become narrower, otherwise nothing changed. That was expected after that original dress fitted so well.

Ob das fertige Kleid nach meinem gekauften Lieblingskleid nun auch mein selbstgenähten Lieblingskleid wird, kann ich noch nicht sagen. Aber welche Nähwerke dann tatsächlich zu den selbstgenähten Lieblinge werden, kann man ja nie so genau sagen. Oder wie ist es euch das so ergangen. Ein theoretisch perfektes Lieblingsteil, dass nach dem fertig nähen schrecklich war oder ein „so naja“ Modell, dass zu einem der meistgetragenen und heißgeliebten Keidungsstücken avanchiert ist ?

Nichtsdestotrotz ich habe das perfekte Kleid für Ostern (die Temperaturen könnten hoch genug werden) und für #EasterSpringDress2017 und natürlich lasse ich mich gerne überraschen was all ihr alle am MeMadeMittwoch zeigen.

Eine kleine Frage in die Runde in eigener Sache: Gibt es Näher/Blogger Raum Luzern bzw. Zentralschweiz, die gerne fotografieren? Ich suche jemand mit Freude (und etwas Talent) hinter der Kamera, damit ich nicht immer den Fotografen einfliegen lassen muss. Natürlich wäre ein Tausch der Rollen auch gern möglich.

I can’t say if my sewn dress will become my new favourite dress or only one of my dresses. You can newer predict, if you are going to love what you made or probably even hate it. But I have a new dress for #EasterSpringDress2017 hostets by Akram’s Ideas and Judith Dee’s World. And if you like to see what the german speaking part of the sewing world makes you can visit the MeMadeMittwoch linkparty.


Fazit: Abgesehen von den Wiener Nähten und Armlöchern unkompliziert zu nähen.

Schnitt: Nach einem gekauften Kleid

Änderungen: Minimale Anpassungen der Passform

Material: grüne Popeline, roter und violetter matter Baumwollsatin

Zeit: im Laufe eines Monats

Lieblingskleidl Rücken

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25 Gedanken zu “Ein Lieblingskleid nachgenäht

  1. Wie gut, daß wir nähen können und uns so unsre Lieblingsstücke immer wieder neu erschaffen können. Ein schönes Kleid für die kommenden warmen Tage ist Dir da gelungen. Bei Burda gibt es übrigens einen ganz ähnlichen Schnitt.
    Liebe Grüße
    Susan

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    1. Ja das Nähen, war die Hobby Erleuchtung für mich, endlich konnte ich was machen von dem ich auch was habe am Ende. Leider ist gerade noch ein bisschen zu frisch für einen tiefen Rückenausschnitt.
      Lg Sabine

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  2. Ich finde deine Umsetzung sehr schön! Die verschiedenen Farben betonen den coolen Schnittverlauf im Rücken. Aber wie du schon sagst, mit Lieblingsteilen ist das so eine Sache … Mir ist aufgefallen, dass die Tragehemmschwelle bei perfekten Teilen auch sehr groß sein kann und sie dann mehr im Schrank hängen als die nicht so perfekten Teile, die ruhig abgetragen werden können. Verrückt, nicht wahr? LG, Zuzsa

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    1. Vielen lieben Dank.
      Lieblingsteile puh.
      So viele habe ich noch gar nicht genäht und dann brauche ich immer den passenden Anlass. Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich ein Lieblingsteil ganz oft trage, bis ich mir denke, dass es gleich kaputt geht wenn ich es weiter so viel trage und dann gibt’s meist Schrankurlaub. Man wills tragen, aber es soll auch in einem ausgezeichneten Zustand, ein ständiges Dilemma
      Lg Sabine

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  3. Was für ein tolles Osterkleid.
    Und du hast dir wahnsinnig viel Arbeit damit gemacht. Ich habe auch schon Lieblingskleidung kopiert, aber dafür das abgenutzte Teil auseinandergeschnitten, um den Schnitt abnehmen zu können. Ohne das Auseinanderschneiden stelle ich mir eine Schnittabnahme sehr schwierig vor, aber dir ist das ja bestens gelungen.
    LG von Susanne

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    1. Dankeschön, mit etwas Glück könnte es warm genug werden, dass ich es tatsächlich zu Ostern tragen.
      Nun ich denke, die einfachste Methode ist das auseinander nehmen, dass konnte ich meinem Kleid nicht antun und es gibt ja noch viel mehr Methoden an den Schnitt des Kleides zu kommen.
      Lg Sabine

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  4. Ein sehr gelungenes und wunderschönes Kleid. Da wünsche ich Dir das passende Wetter dazu, denn, Schrankurlaub, das hat dieses Kleid nicht verdient.
    Schönes Osterfest und liebe Grüße Epilele

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  5. Schöne und gewagte Farbkombi. Insbesondere wie die Farben mal wieder im Oberteil zusammenfallen und wieder eine Art Musterung ergeben, ist dir super gelungen. Ach und dieses Fotografen-Problem ist doch zum verrückt werden. Ich hab hier auch drei Teile, die nur zum abfotografieren warten, aber mir für den Selbstauslöser und das Verwackelte dann doch zu schade sind. Ich wäre also durchaus willig, aber Frankfurt ist dann leider doch ein bisschen weit weg 😉

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    1. Dankeschön.
      Dass mit den Farben und Stoff war anfangs echter Frust, bis ich auf die Pflanze gekommen bin (eigentlich gibt es ja so schöne farbkombinationsvorbilder in der Natur).
      Da bin ich erleichtert mit meinem Fotografen Problem nicht alleine zu sein.
      Tja Frankfurt ist ja fast wie mit meinem Hausfotograf in Österreich, weit weit weg. Ich kann also nur einen Ausflug (mit einem Koffer zu fotografierenden kleidungsstücken) in das wirklich schöne Luzern empfehlen, so viele Touristen können nicht falsch liegen .
      Lg Sabine

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      1. Haha, ja das glaube ich. Wenn meine Master-Arbeit fertig ist (ich fange jedoch erst an T.T) wäre ein Ausflug mit Nähmaschine und Fotoapparat durchaus eine Option 😉 Derzeit pendle ich nach Bamberg, wenn Fotos gemacht werden 😀
        Vielleicht sollte man auch eine Aktion wie die 12 …of handmade fashion nur mit Inspirationsquellen in der Natur machen 😉
        LG
        Marta

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        1. Das wäre lässig, an der Nähmaschine sollte es nicht scheitern von denen habe ich zwei. (Hab gerade festgestellt dass es nur vier Stunden mit dem Zug sind, geht ja schneller als zu meiner Schwester oder ganz heim.)
          Das hätte was so eine Aktion, jeden Monat abwechselnd ein Tier und eine Pflanze.
          Lg Sabine

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  6. Sehr schön, auch mit der Assoziation zur Pflanze! (Gerade habe ich etwas ganz ähnliches gesehen in creme, mit zwei sehr breiten Spitzenbändern hinten lose neben der Schrägung, die von einem Kragen gefasst waren.) Regina

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  7. Sehr schönes Kleid! Ich hab eine Schwäche für interessante Rückenausschnitte 🙂 Und die Farbkombination ist super, vor allem am Rücken! Was für eine Pflanze ist das denn?
    LG, Andrea

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  8. Sehr schickes Kleid! Einen normalen BH hast du da ja nicht drunter. Trägst du stattdessen etwas anderes drunter? (Sorry für die indiskrete Frage, ich frage aus Nachmach-Interesse)

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    1. Dankeschön.
      Ach finde die Frage jetzt nicht so schlimm. Ist eine berechtigte und interessante Frage. Ich trage bei diesem Kleid nichts darunter. Auch kein Tape oder was es da sonst noch gäbe. Dies funktioniert, weil das Kleid aus einem festen Stoff ist und gefüttert und ich keine allzu große Oberweite habe. Ich hab aber auch ein rückenfreies Kleid aus Jersey und Spitze und es bietet durch den weichen Stoff so gar keinen Rückhalt und Sicherheit, darum hab ich es auch noch nie getragen. Da hätte ich Angst meiner Chemielehrerin nachzueifern, die nie einen BH trug bei üppiger Oberweite.
      Lg Sabine

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