Frühlingsensemble von 1962

neuer-schnitt 1962-november Zweiteiliges Kleid nähen 60er

Langsam merkt man, dass es Frühling wird: es ist wieder heller und das Wetter präsentiert sich freundlicher. Deshalb stelle ich heute mein Frühlingsensemble vor (nur mehr wenige Grad Celsius mehr und ich kann es ausführen). Wer uns auf Instagram folgt, hat ja vielleicht das Foto von der Jacke schon gesehen – aus diesem tollen Musterstoff ist es einfach ein Hingucker geworden.

Das Originalmodell des zweiteiligen Ensembles stammt wie das Rasterkleid von letzter Woche aus der Zeitschrift Neuer Schnitt vom November 1962. Dass der Stoff und Schnitt eine ideale Kombination werden würde, war schnell klar. Meiner Meinung nach ist es die perfekte Mischung aus Vintageschnitt und modernem Stoff. Allerdings dauerte es noch ein 3/4-Jahr bevor ich dieses Ensemble nähte. Der Stoff ist vom Frühjahr 2016 und  ein bedruckter Baumwollstoff mit Panamabindung.

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Der Rock

Der Rock ist ein 6-Bahnenrock mit vorne zwei Falten und einem schmalem Bund. So viel gebügelt und insgesamt Aufwand betrieben, wie an diesem Stück, habe ich noch nie. Aber nun zu den Details: Ursprünlich wurde in der Anleitung vorgeschlagen, den ganzen Rock mit Vlieseline zu verstärken, damit der Rock mehr Stand erhält. Ich aber entschied mich für eine Unterlage aus Popeline. Bei einer Unterlage werden beide Stoffe zusammengeheftet und als eine einzige Stofflage weiterverarbeitet. Sicherlich hätte ich den Rock auch ohne Unterlage, dafür mit einem Futter verarbeiten können, doch ich wollte eben genau diesen zusätzlichen Stand erreichen. Ich habe allerdings nicht geheftet, sondern nur sehr, sehr viele Stecknadeln verwendet und die Bahnen immer nur von oben nach unten genäht – sollten sich die Stoffe leicht verschieben, dann jeweils nur in eine Richtung.

Zusätzlich zu der Unterlage habe ich die Nachtzugaben mit Bändern versäumt – damit es nicht so langweilig ist in einem leuchtenden Pink. Der Saum und der Bund wurden beide mit der Hand genäht. Als Verschluss habe ich keinen Reisverschluss verwendet sondern einen Nahttaschenverschluss genäht. Eine früher durchaus übliche Verschlusstechnik, die heutzutage kaum jemand mehr kennt. Der Nahttaschenverschluss ist aber wunderbar und absolut empfehlenswert, da man sich einen Reißverschluss sparen kann und dafür zusätzlich eine Nahttasche erhält. Hier habe ich eine Anleitung geschrieben für all jene die den Verschluss auch nicht kennen.

Auf der rechten Seite hat der Rock zwei rein dekorative Knöpfe – in Kombination mit den zwei Falten in der Mitte ergibt es eine Wickelrock-Optik. Netterweise hat mir der Taillenumfang des Schnittes perfekt gepasst, sodass ich keine Änderungen vornehmen musste. (Bei diesen alten Schnitten ist jeweils nur eine Größe am Schnittbogen enthalten – am Foto des Schnittes oben sieht man, dass das Modell für eine Oberweite von 92 cm ausgelegt ist – und muss dann jeweils vergrößert/verkleinert werden. Noch dazu hat jedes Modell eine unterschiedliche Größe, was bedeutet, dass man entweder gerade Glück oder leider Pech hat und viele Änderungen machen muss.)

neuer-schnitt 1962-november Zweiteiliges Kleid nähen 60er Nahttaschenverschluss
der magische Nahttaschenverschluss

Die Jacke

Die Jacke ist, bis auf die Schulterpolster, komplett wie eine normale Jacke verarbeitet. Die ganzen Schnitteile wurden mit einer ganz dünne Einlage geklebt, dass der Stoff etwas mehr Körper erhält und später weniger beult. Für den Besatz wurde eine etwas ferster Klebeeinlage verwendet.

Bei den Ärmeln konnte ich mich so richtig mit dem Einreihen, Stecken, Nähen, Auftrennen und neu Einnähen spielen. Sonst ist das Jäckchen mit einem fuchsiafarbenen Venezia-Futter verarbeitet und als Dekoration gibt es wiederum zwei Knöpfe, dieses Mal auf der gegenüberliegenden Seite. Als Verschluss dient ein einzelner Druckknopf – anfänglich konnte ich mir nicht vorstellen, dass dies funktioniert, aber ich habe mich getäuscht ein Druckknopf reicht.


Von der Passform her musste das Jäckchen in der Seitennaht doch einiges enger gemacht werden, da der Schnitt für eine größere Oberweite ausgelegt ist. Eine kleinere Änderung gab es auch bei den Abnähern im Ärmel. Diese wurden um einiges verlängert, da es sonst einen seltsamen Knick im Ärmel gab. Die Länge der Jacke blieb jedoch ganz wie im Original. (Ich hatte sicherheitshalber besonder viel Nahtzugabe am Saum zugegeben, was alles wieder weg musste.)

Einen Fehler habe ich gemacht, und der war, dass ich das Futter gemeinsam mit dem Oberstoff zugeschnitten habe und als ich dann endlich anfing das Futter zu nähen, nicht mehr 100 % genau wusste wie viel Nahtzugabe ich hatte. Zusätzlich mussten die Änderung nachträglich übertragen werden. Das war eher ein „Murks“. Beim nächsten Projekt habe ich dann erst nach dem anpassen das Futter zugeschnittem.

Mein Plan wäre das Ensemble farblich passend mit Ober- und Unterteilen zu erweitern. Derzeit könnte ich mir einen Rock in einem dunklen Violett im gleichen Schnitt und eine dunkelblaue Marlenehose gut vorstellen. Bei den Oberteilen bin ich noch etwas unentschieden (ein erstes geplantes Oberteil sah schrecklich aus). Jedenfalls soll es eher figurbetont und schlicht werden. Aus dem Reststoff sollte noch ein trägerloses Top entstehen, sodass ich das Ensemble dann auch im Hochsommer tragen könnte.

Welche Erweiterungen könntet ihr euch gut vorstellen zum Rock oder dem Jäckchen?

Und damit auf zum MeMadeMittwoch. Mal schauen, wer auch schon auf den Frühling wartet.


Fazit: Der Rock war schnell und einfach genäht und hat das gewisse Etwas. Es ist ein Schnitt, den ich gerne noch ein weiteres Mal nähen werde. Das Jäckchen war deutlich aufwendiger, sollte ich aber wieder das Bedürfniss nach einem schlichten, taillierten Modell haben, werde ich gerne auf diesen Schnitt zurückgreifen.

Änderungen: Am Rock keine, die Jacke wurde seitlich und an den Ärmeln etwas enger genäht und die Ärmelabnäher verlängert.

Schnitt Neuer Schnitt November 1962, Modell 8607

Material Bedruckte Baumwolle in Panamawebung 2,5m, Vlieseline, 4 grosse Knöpfe, Venezia-Futter

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22 Gedanken zu “Frühlingsensemble von 1962

  1. Wieder so tolle Bilder, ein Augenschmaus! Das Ensemble gefällt mir auch gut, obwohl pink-schwarz-weiss nicht meine Farben sind. Aber der Schnitt ist toll. Diese alten Sachen gaben schon so ihren besonderen Charme, das mag ich sehr.
    Liebste Grüsse!

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    1. Dankeschön. Für mich ist der Stoff mit diesen Farben auch eher ungewohnt, aber trotz der Wildheit hätte ich ihn nicht im Stofffgeschät nicht zurücklassen können. Auch wenn es auf dem Fotos schwarz wirkt ist es eher ein dunkel rotviolett, leider ein schwer fotografierbares Muster.
      Lg Sabine

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    1. Merci vielmals
      Dann passt es ja perfekt das ich schon einen Stoff und Schnitt für eine Schluppenbluse, muss also nur mehr genäht werden. Und dann wird vermutlich das Wetter gerade warm genug werden.
      lg SAbine

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  2. ein geradezu hinreißendes Ensemble und so schön in Szene gesetzt. Toll! Und dass Du mit diesen alten Schnittmustern rumprobierst finde ich sehr bewunderswert. Mir ist da zu viel los auf dem Schnittmusterbogen und die Maße von damals stimmen so überhaupt nicht mit meinen überein, da bin ich zu faul. LG, Tanja

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    1. Dankeschön.
      Ich muss sagen ich tue mir mittlerweile leichter wenn ich mit den uralten Schnittbögen die Teile abzeichne, als wie bei manch modernen bunten mit 20 Grössen nebeneinander. Und ich probiere sehr gerne alte Schnittmuster, bisher hatte ich Glück, dass mir meist Modelle gefallen die ungefähr meinen Maßen entsprechen und ich nicht mehr anpassen muss als wie bei einem neuen Schnittmuster. Es ist auch immer spannend wie am Ende der Schnitt herauskommt, wie nah am Original oder doch wieder was ganz anderes.
      Lg Sabine Michaela

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  3. Ein sehr hübsches Kostüm, das den modernen Stoff gut in Szene setzt. Ich könnte mir zu dem Rock auch ein schmales, hochgeschlossenes Pullöverchen vorstellen; genäht oder gestrickt. Dir werden sicher noch viel Kombipartner einfallen!
    LG, Bele

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  4. Einfach nur grandios!!!! Bin ganz begeistert und neidisch… Bei meiner Arbeit im pflegeheim haben wir auch noch einige ausgaben dieser Zeitschrift… Ich hätte mich da nie rangetraut… Daumen hoch! Lg Sarah

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    1. Ach
      ich muss sagen der Rock war ganz schnell und super unkompliziert genäht. Und das Jäckchen ist auch sehr schlicht, hat aber ein bisschen länger gedauert. Also alte Zeitschrift schnappen und ausprobieren, die Anleitungen sind halt sehr minimalistisch.
      lg SAbine

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